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111 Jahre Fußball in Striesen

Wir haben 111 Jahre Fußball in Striesen gefeiert

Die SG Dresden Striesen ist ein Verein mit großer Tradition in Dresden. Davon zeugen unter anderem fünf deutsche Meisterschaften im Arbeitersport und eine Vielzahl an Fußballern, welche von Striesen aus den Weg in den Profifußball gefunden haben. 1910 wurde der Verein als Dresdner SV 1910 aus der Taufe gehoben. Dies wurde vom 10. – 12 September 2021 zum Anlass genommen das 111-jährige Jubiläum zu feiern.

An drei Tagen gab es ein abwechslungsreiches Programm. Gern blicken wir auf drei wundervolle Tage zurück.

Tag 1

Die Feierlichkeiten begannen am Freitag mit einem Fußballstammtisch. Gäste waren Rainer Ernst und Matthias Döschner und plauderten über eine Stunde in einer lockeren Atmosphäre über ihre ereignisreichen Karrieren. 
Im Anschluss durfte die Zweite das Fest sportlich eröffnen. Im Derby gegen die Zweite des SV Helios 24 gewann man vor weit über 100 Zuschauern verdient 6:2. Somit konnte man beschwingt den Abend bei ein wenig Musik und kühlen Getränken ausklingen lassen.

Tag 2

Ganz viel Fußball gab es am Samstag. Zunächst starteten die Mannschaften der D- und E-Junioren auf dem Kleinfeld in den Tag und zeigten den Anwesenden ihr können. Bis zum frühen Nachmittag flitzten der Nachwuchs über den Platz. Zeitgleich präsentierte sich unsere neue Bewegungsschule und zeigte wieviel Spaß man mit Bewegung auch ohne Fußball haben kann.
14:00 Uhr richteten sich die Blicke gen Kunstrasen. Denn endlich wurde der Platz offiziell eingeweiht. Sportbürgermeister der Stadt Dresden Peter Lames und Heiko Petzold (Präsident Stadtverband Fußball Dresden) übernahmen dabei die feierliche Verantwortung. Wobei Herr Lames beim Spiel der D-Junioren auch den Ehrenanstoß ausführte.
Auch auf dem großen Feld wurde ordentlich gekickt. Im Landespokal spielten unsere A-Junioren gegen den Hartmannsdorfer SV und erreichten ungefährdet die nächste Runde. Am Ende stand ein deutliches 9:1.
Direkt danach fand das große Spiel der Alten Herren gegen die Ostfußball-Nationalmannschaft statt. Vor dem Anstoß wurden noch unsere A- und C2-Junioren für ihre Aufstiege in die Landesklasse hochgelebt. Nach einer Vorstellung der Anwesenden DDR-Kicker startete die Partie der Alten Herren. Ein lockeres Spielchen mit einigen Toren, wenn auch mehr für die Gäste, die 6:1 gewannen.
Am Abend gab es dann Livemusik auf die Ohren. Das T.S.O. heißte den Anwesenden mit ein und sorgte für einen kurzweiligen Abend, welcher durch ein Höhenfeuerwerk den perfekten Abschluss fand.

Tag 3

Der Sonntag begann mit Volleyball. Sechs Mannschaften spielten in einem kleinen Turnier einen Sieger aus. Gewinner waren die Gäste des VC Dresden.
Zeitgleich spielte unsere Dritte ihre Partie in der 1. Stadtklasse gegen den SV Dresden-Neustadt II. Lange Zeit sah es nach einem torlosen Unentschieden aus, doch in der Nachspielzeit traf man noch per Strafstoß.
Zum Abschluss der Feierlichkeiten spielte unsere Erste im Derby gegen den VfL Pirna-Copitz. Dabei konnte man das Fest erfolgreich zu Ende bringen. Verdient gewann man 2:0.

111 Jahre Fußball in Striesen – Die Geschichte

Teil 1 – Wie es begann

Fußball fand bereits weit vor 1910 großen Anklang in Dresdner Osten und so wurde ohne feste Strukturen auf Schotterplätzen dem runden Leder hinterhergejagt. Im Laufe der Zeit kam die Idee auf sich in einem Verein zu organisieren und so trafen sich die „Wilden Vereine“ aus Striesen, Laubegast, Tolkewitz und Blasewitz. Am 01. Juni 1910 hob man gemeinsam den „F.-G. Sportverein 1910“ Dresden-Striesen u. Laubegast aus der Taufe. Der Verein sollte die Förderung der Volksgesundheit auf rein volkstümlicher proletarischer Grundlage zur Kräftigung des arbeitenden Volkes durch Pflege aller Leibesübungen und Hebung des geistigen Wissens durch Vorträge und Versammlungen bezwecken. Kurze Zeit später benannte man sich in Dresdner SV 1910 um.
Die erste ins Leben gerufene Abteilung war die Fußballsparte, welche die ersten Jahre auf einem Bauplatz in Tolkewitz spielte. Nach Gründung des Vereins nahm man sofort am Spielbetrieb teil und konnte 1911 sofort den Bezirksmeistertitel gewinnen. Durch diesen Erfolg erlangte man auch über die Stadtgrenzen hinaus größere Bekanntheit. 1920 folgte gar noch der Gewinn der Mitteldeutschen Meisterschaft.

Teil 2 – Erstmals Deutscher Meister

Mitte der Zwanziger des letzten Jahrhunderts schwang sich der Dresdner SV 1910 zu einer Spitzenmannschaft des Arbeitersports empor. Nach ersten Erfolgen auf regionaler Ebene (zwei Bezirksmeisterschaften) gelang 1924 erstmals der große Wurf. Am 26. Juli 1924 bestritt man erstmals ein Endspiel um die Bundesmeisterschaft des ATSB. Nach dem schon im Halbfinale gegen den ATSV Freudenheim ein deutliches Achtungseichen gesetzt wurde, man gewann 6:0, konnte man auch im Endspiel ebenfalls Offensiv überzeugen. Vor der stolzen Kulisse von 9.000 Zuschauern in der Ilgen-Kampfbahn, dem heutigen Rudolf-Harbig-Stadion, konnte sich der Dresdner SV 1910 mit einem 6:1 über Stern Breslau die erste Bundesmeisterschaft sichern.

Die Meisterschaft von 1924 sollte dann auch die erste Nationalmannschaft des ATSB sein. Am 11. Oktober 1924 gab es im Pariser Buffallo-Stadion die internationale Prämiere. 10.000 Interessierte sahen ein fair durchgeführtes Spiel, wo vor allem die „Korrektheit und Vornehmheit“ der Spieler gelobt wurde. Schlussendlich siegten die Mannen um Torhüter Rudolph Sparke, Georg Linder und Willy Richter in dieser Fußballpartie 3:0. Auch das Rückspiel sieben Tage später durften erneut die Sportfreunde des Dresdner SV 1910 bestreiten. Gespielt wurde in der Ilgen-Kampfbahn, wo diesmal 20.000 Zuschauer zugegen waren. Nach einem Doppelpack von Streubel und weiteren Treffern durch Martin Ueberschär und Willy Richter gewann man diesmal 4:1.


Teil 3 – 1925, ein besonderes Jahr

Nach der ersten deutschen Meisterschaft 1924 konnte der fußballerische Erfolg im Folgejahr wiederholt werden und am 27.06.1925 gelang die Titelverteidigung. Erneut war der Austragungsort des Endspiels die Ilgen-Kampfbahn mit 9.000 Zuschauern, welche eine vom Dresdner SV 1910 bestimmte Partie sahen. Mit einem stolzen 7:0 über den SV Stralau 10 (Berlin) gab es den zweiten Meistertitel.

1925 kam es auch zum berühmten „Charkow-Spiel“. Am 22.08.1925 wollte man ein Freundschaftsspiel gegen die Stadtauswahl aus dem sowjetischen Charkow bestreiten. Dies war aber weder politisch noch vom ATSB gern gesehen. Trotzdem hielt man am Plan fest und unternahm alles, um dieses Spiel durchführen zu können. So hatte die Mannschaft aus Charkow eine abenteuerliche Anreise. Da eine direkte Anreise nicht möglich war, wählte man den Weg über Litauen. In Dresden angekommen wurde allen Teilnehmern ein abwechslungsreiches Programm dargeboten und beim Abschlussbankett vor dem Spiel erfolgte die Übergabe der sogenannten „Russland-Fahne“ als Gastgeschenk. Das Spiel fand schließlich vor der stolzen Kulisse von 18.000 Zuschauern stat, welche für den erschwinglichen Eintrittspreis von 80 Pfennigen ins Stadion kamen. In einem begeisternden Spiel gewannen die Sportfreunde des Dresdner SV mit 3:1.

Ein weiteres Highlight des Jahres war die Errichtung des Stadion Dresden-Ost. Auf Grund eines immensen Mitgliederzuwachses wurde die bisherige Heimstätte, die „Sandwüste“ indiskutabel. Um den Verein weiterzuentwickeln, entstand in knapp 6.000 Arbeitsstunden zunächst ein B-Platz. 1924 erfolgte dann der Spatenstich zum Bau des „Stadion Dresden-Ost“. In kompletter Eigenleistung errichteten die Mitglieder des Dresdner SV 1910 in 72.000 Arbeitsstunden die Sportanlage. Jeder Sportfreund hatte sich dabei zu einer Arbeitsleistung von mindestens fünf Arbeitsstunden verpflichtet. Am 12.07.1925 folgte schließlich die feierliche Einweihung.
Sportliche Highlights waren neben dem Charkow-Spiel sowie zwei Länderspiele gegen Österreich und Russland. Während der Jahre in der DDR wurde die Sportanlage in „Stadion der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft“ umbenannt.

Teil 4 – Auf dem Weg zu Rekordmeisterschaft

Nach zwei Meisterschaften in folge, gelang 1926 der Titelhattrick in den Bundesmeisterschaften des ATSB. Das dritte Mal in Folge gelang die Qualifikation für die Endrunde nach einem Halbfinalerfolg über den FSV Laer. Vor stolzen 12.000 Zuschauern trat man man abermals das Endspiel in der Ilgen-Kampfbahn an. Gäste war diesmal der TuS Süden Forst, der sportlich fair das Spiel wie folgt beschrieb: „Unsere Mannschaft mußte die größere Klasse ihres Kontrahenten neidlos anerkennen und unterlag deutlich, aber ehrenvoll mit 1:5.“ 1927 konnte man sich dann als Rekordmeister des ATSB betiteln, was bis dato dem VfL Leipzig-Stötteritz vorbehalten war. Im vierten Endspiel um die Bundesmeisterschaft spielte der Dresdner SV 1910 gegen den vierten Gegner. Diesmal war es die TuS Nürnberg-West, welche mit einem 4:1 vor 10.000 Zuschauern in der Ilgen-Kampfbahn besiegt wurde.

In Anschluss an diesem Erfolg endete der sportliche Höhenflug des Dresdner abrupt. Schuld daran war eine Spaltung des Vereins auf Grund der Zersplitterung der Arbeiterklasse. So existierte der Verein gleich doppelt. Auf der einen Seite die Bundestreuen und dann die Oppositionellen, welche sich dem von der KPD ins Leben gerufenen Rotsport anschlossen. Im Jahr 1931 konnten diese die Meisterschaft im Rotsport erringen. Im Stadion von Norden-Nordwest in Berlin-Gesundbrunnen wohnten insgesamt 15.000 Zuschauer dem Spiel bei. Endspielgegner war der SV Sparta 1911 Lichtenberg.

Teil 5 – Verbot und Neuanfang

Der Gewinn der in der letzten Ausgabe erwähnten Meisterschaft im Rotsport war zunächst für viele Jahre das letzte Highlight des Dresdner SV 1910. Denn mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 war für den Verein das Ende besiegelt. Auf Grund des Gesetzes „Über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens“ vom 14. Juli 1933 wurde der Verein zwangsaufgelöst und das Vermögen beschlagnahmt. Neben der Vereinsauflösung trafen die Repressalien auch die Vereinsmitglieder, welche inhaftiert oder zum Tode verurteilt wurden. Insgesamt 22 Sportler wurden von der Gestapo verhaftet. 20 von Ihnen verbrachten zusammengerechnet 19 Jahre und 4 Monate im Zuchthaus. Manche verloren auch ihr Leben im zweiten Weltkrieg. Trotz aller Widerstände gab es weiter unentwegte Sportfreunde, welche das Gedenken an den Dresdner SV 1910 aufrechterhielten. In vorderster Front war hier der ehemalige Fußballer Horst Stier aktiv, der einige Memorabilien über die Jahre rettete.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde sofort die Neugründung des Dresdner SV 1910 in Angriff genommen, doch die sowjetische Besetzungsmacht verhinderte dies und löste den Verein wieder auf. Am 22.06.1945 unternahmen 100 ehemalige Vereinsmitglieder im Vereinsheim des Stadion Ost einen neuen Versuch und gründeten die SG Striesen. Als Vereinsfarben wurden auch damals schon rot und schwarz ausgewählt. Zunächst spielte man ab Juli 1945 mit vier Fußballmannschaften auf Stadtebene. Schon ein Jahr später spielte die SGS mit weiteren Dresdner Sportgemeinschaften um Punkte und konnte sogleich die Stadtmeisterschaft gewinnen.

Teil 6 – Der Weg zur Zigarette

Nachdem man als SG Dresden Striesen den Verein wiederbelebte, erfolgte in der DDR im Jahr 1947 die Eingliederung der Vereine in sogenannte Trägerbetriebe, womit der Sport kollektiviert wurde. Für unseren Verein erfolgte daher zunächst die Umbenennung in ZSG Nagema Dresden. Knapp verpasste man in dieser Zeit die Qualifikation für die neue Ostzonenliga und setzte so den Spielbetrieb in der zweitklassigen Landesliga fort. Zwei Jahre später erfolgte die Übernahme durch die Dresdner Zigarettenfabriken und zunächst die Umbenennung in BSG VVB Tabak. 1952 erfolgte dann die nächste Umbenennung auf Grund der Zuordnung der Dresdner Zigarettenfabriken zur Gewerkschaft „Nahrungs- und Genussmittel“. Der Vereinsname wurde BSG Empor Tabak Dresden. Dieser sollte anschließend bis zur Wiedervereinigung 1990 bestand halten.
In den fünfziger Jahren entwickelte sich die BSG Empor Tabak Dresden immer weiter und konnte viele Sportfreunde für sich begeistern. Innerhalb kürzester Zeit organisierten sich über 600 Mitglieder im sportlichen Wettkampf. Fußballerisch konnte sich die BSG Empor Tabak im Bezirk Dresden etablieren und viele Erfolge feiern. Auch über die Bezirksgrenzen hinaus gelang es von sich reden zu machen, dies lag vor allem an den Auftritten im FDGB-Pokal. Insgesamt viermal gelang bis 1960 hierfür die Qualifikation. Am erfolgreichsten war dabei der erste Auftritt im FDGB-Pokal 1949/50 als der Weg bis ins Achtelfinale führte, wo man schlussendlichen der BSG Sachsenverlag Dresden 0:2 unterlag.

Teil 7 – 60er und 70er

Nachdem sich der Verein wieder seinen Betrieb wieder aufnahm und die Dresdner Zigarettenfabrik als Trägerbetrieb übernahm, entwickelte sich der Verein zu einer Größe im Bezirk Dresden. Bis zu sieben Sektionen gehörten in dieser Zeit der BSG Empor Tabak an mit bis zu 1.500 Mitgliedern. Mit der Umgebung des Sportgeländes in Stadion der deutsch-sowjetischen Freundschaft, wurde Mitte der Sechziger Jahre ein entsprechendes Denkmal errichtet. Dieses wurde aber Anfang der 90er wieder entfernt und auf die Stauffenbergallee verbracht.

Ein weiteres Highlight waren die Sportfeste der BSG Empor Tabak. Zunächst zog man in einer feierlichen Parade durch Striesen in Richtung Stadion. Im Anschluss präsentieren sich die Sektionen mit verschiedenen Sportveranstaltungen.

Neben Fußball gab es übrigens folgende Sektionen im Verein: Handball, Boxen, Kegeln, Gymnastik, Tischtennis und Billard.

Teil 8 – Ein Jahr zweite Liga

Nach dem Aufstieg in den 70ern konnte sich die BSG Empor Tabak in der Bezirksliga etablieren und in entwickelte sich zu einer Mannschaft, welche sich vornehmlich im Spitzenfeld der Liga aufhielt. Dies gipfelte im Aufstieg 1983 und der damit verbundenen Qualifikation für die zweitklassige DDR-Liga. In der neuen Umgebung konnte man für einige Furore sorgen und zog auch viele interessierte Zuschauer an. Bis zu 6.000 Fans strömten in das Stadion der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft wie im Spiel gegen den BSG Sachsenring Zwickau. In dieser Partie konnte man mit einem 1:1 einen Punkt erringen. Zum Abschluss der Saison 1983/84 stand ein starker neunter Tabellenplatz, was normalerweise auch sicher zum Klassenerhalt gereicht hätte. Doch auf Grund einer Neustrukturierung der DDR-Ligen von fünf auf zwei Staffeln, stand der Abstieg zurück in die Bezirksliga. Dort spielte man bis 1989 weiter, bis der Abstieg in die Bezirksklasse erfolgte. Aus dieser kehrte die BSG Empor Tabak Dresden nach einem Jahr wieder zurück.

Im Jahr 1981 kam die BSG Empor Tabak Dresden zu einer zweiten Spielstätte. Mit Unterstützung des VEB Vereinigte Zigaretten-Fabriken Dresden erfolgte am 1. September die Übernahme der Nachwuchssportstätte auf der Salzburger Straße. In nunmehr 40 Jahren konnten hier viele Sportler ausgebildet werden, welche auch den Sprung in den Profifußball schafften.

Teil 9 folgt …